Bye bye endloser Sommer. Über die beiden Seiten des Herbstes

Mit dem Herbst führe ich eine etwas ambivalente Beziehung.

Wobei ich zugeben muss, dass es mir nach diesem gefühlt endlosen Sommer noch schwerer fällt als die letzten Jahre, mich an das herbstliche Wetter zu gewöhnen.

 

Die Gegensätze, dass es einerseits draußen immer kälter und drinnen immer gemütlicher wird, mag ich. Genauso wie die Mischung aus nebligen kühlen Abenden und Nachmittagen, an denen man gerade noch draußen sitzen kann um ein paar letzte warme Sonnenstrahlen zu genießen. Ich liebe die klare Luft und irgendwie mag ich es auch, meine Herbst- und Wintersachen herauszuholen und meine Mützen anzuziehen. Ich könnte jeden Tag Kürbissuppe essen und ich liebe es, nachmittags in Wollsocken Tee zu trinken und dabei Kerzen anzuzünden. Ich mag es drinnen im Bett zu liegen, wenn des draußen regnet und in eine Decke eingekuschelt den Regentropfen am Fenster zuzuhören, während man sich warme Gedanken macht.

 

Das ist die schöne Seite des Herbstes. Die auf die ich mich freue und die, die sich nach gemütlichen Wochenenden anfühlt. Leider hat der Herbst aber auch noch eine andere Seite. Das feuchte windige Ungeheuer, dass einem unter die Jacke pfeift und einem ewig kalte Füße beschert. Für uns CFler bedeutet der Herbst und Winter aber auch dauerhafte Müdigkeit, mehr Infekte und - gezwungenermaßen mehr Achtsamkeit für uns und unsere Gesundheit. Sobald sich die kühle Jahreszeit ankündigt, bekomme ich plötzlich ein anderes Bewusstsein für meine Gesundheit oder andersherum für meine Krankheit, da ich auf Schritt und Tritt mit ihr konfrontiert werde. In warmen Sommern, wenn der letzte Infekt lange her ist und die Leichtigkeit der sonnigen Tage innehält, vergesse ich, dass ich chronisch krank bin. Im Sommer kann ich häufig vieles einfach so machen wie die anderen auch. Die ein oder andere Ausnahme und die vergessene Jacke, werden schnell mal verziehen. Nach den ersten feuchten und kalten Tagen scheint diese Unbeschwertheit aber schnell verflogen. Hinter jeder Ecke lungert ein neuer Infekt, den die Lunge mit einer Herzlichkeit in Empfang nimmt, die ich mir bei so mancher sportlichen Aktivität von meinem Körper wünschte. Der erste Husten ist schnell da. Damit auch die Bakterien, die Entzündungen in der Lunge und die schlechtere Belastbarkeit des Körpers. Ich bin dauernd schlapp, huste mehr und muss meine Therapie verändern: mehr Inhalation, mehr Antibiotika und damit einhergehend auch mehr Bauchschmerzen. Plötzlich erscheint der Alltag noch schwerer und dunkler als er eh schon ist, wenn die Tage kürzer werden.

 

Jeder Infekt, der uns erwischt ist häufig doppelt so intensiv und zieht sich länger hin, als bei gesunden im Umfeld. Was das zur Folge hat? Ich bin gezwungen mich mehr mit meinem Körper zu beschäftigen. Mehr Zeit mit mir zu verbringen.

Liebevoller zu meinem Körper zu sein und genauer hinzuhören, das ist das Geheimrezept.

Ein Rezept, was eigentlich auf der Hand liegt, die Ausführung aber trotzdem unendlich schwer fällt.

Obwohl der Kopf vielleicht viel will, sich immer mal wieder zu fragen: Wo hab ich eine Grenze erreicht? Wo will mein Kopf mehr, als mein Körper leisten kann? Wo kann ich weitermachen und wo muss ich aufhören, obwohl mein Alltag ein aufhören eigentlich gar nicht zulässt (und mein Kopf meistens noch viel weniger).

 

Es ist eine Gratwanderung, die mich von Jahr zu Jahr immer mehr an den Punkt bringt, meinen Dickschädel zu besänftigen und auf meinen Körper zu hören. Im Endeffekt ist er nämlich so ziemlich das kostbarste was ich habe. Das ist er eigentlich für jeden von uns. Und gerade im Herbst wo es dunkler und kälter wird, haben wir plötzlich an vielen Abenden mehr von der Zeit, die wir im Sommer draußen verbracht haben. Zeit um mal wieder genauer hinzuhören und uns liebevoll um unseren Körper und unsere Gesundheit zu kümmern.

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Kommentare: 3
  • #1

    Lore (Dienstag, 25 September 2018 19:28)

    Wie wahr. ��

  • #2

    Stralalaz (Dienstag, 25 September 2018 20:55)

    Schön geschrieben und den Nagel auf den Kopf getroffen! Ich wünsche dir einen gesunden und starken Herbst �

  • #3

    Thyra (Mittwoch, 26 September 2018 17:06)

    Oh ja, den Zwiespalt zwischen der Freude über den Herbst und der Sehnsucht nach vergangenen Sommertagen kenne ich so gut.
    Ich freue mich auf "hyggelige" Stunden mit dir bei Tee und Kerzenschein :)

Willkommen

Immer steil nach oben. So einen Lebensweg wünscht sich jeder. Doch kaum einer hat ihn. Bei mir ist es eher ein Auf und Ab. Der Grund für mein Auf und Ab ist die Mukoviszidose. Eine chronische Krankheit.

Wie man mit so einer Krankheit positiv und motiviert bleibt? Gute Frage - genau darüber möchte ich  schreiben. Ich möchte euch Mut machen euren Weg zu gehen und von meinem erzählen.

Ich bin Carina und dieser Blog ist für Dich!

 

P.S. Du möchtest mehr über mich, meinen Alltag und meine Gedanken erfahren? Auf Instagram unter "damnbrave" poste ich regelmäßig Beiträge.